München, Mai 2010 – Wie beurteilen Menschen weltweit frei verkäufliche apothekenpflichtige Medikamente, sogenannte OTC (over-the-counter)-Arzneimittel? Wie unsicher bzw. sicher sind sie bei ihrer Verwendung im Gegensatz zu den verschreibungspflichtigen Medikamenten? Wie steht es bei den OTC-Produkten mit dem Vertrauen in Eigenmarken vs. Herstellermarken? Und nicht zuletzt: welche Rolle spielen Vertriebskanäle und die hiermit einhergehende Beratung.
Diese und andere Fragen untersuchte das weltweit operierende Marktforschungsunternehmen Synovate in einer internationalen Studie in 17 Ländern, bei der fast 12.000 Personen zu ihrem Verhältnis zu OTC-Arzneimitteln im Speziellen und Gesundheit im Allgemeinen befragt wurden. Die Untersuchung wurde in Australien, Belgien, Chile, Deutschland, Frankreich, Hong Kong, Ungarn, Indonesien, Korea, den Niederlanden, Serbien, Singapur, Spanien, Taiwan, den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), Großbritannien und den USA durchgeführt.
Insgesamt gesehen, haben fast alle befragten Personen in den letzten 12 Monaten unterschiedliche Aktivitäten initiiert, um die eigene Gesundheit zu verbessern. Neben einer verbesserten Ernährung (61%), stehen regelmäßiger Sport (37%) und aktive Gewichtsreduzierung (33%) ganz oben auf der Liste. Deutschland liegt gerade beim regelmäßigen Sport international ganz vorne dabei: 45% der Deutschen geben an, dass sie versuchen, dreimal die Woche Sport zu treiben.
Und wenn es mit der Gesundheit dann doch nicht klappt? Die „beliebtesten“ OTC- Produkte weltweit sind Husten- und Grippe- sowie Schmerzmittel : mit ca. 40 % Kauf im letzten halben Jahr führen diese beiden Produktgruppen die Liste an. Da die Befragung in den erkältungslastigen Monaten durchgeführt wurde, verwundern diese Ergebnisse auf den ersten Blick nicht, jedoch gibt es klare nationale Unterschiede. So haben in den VAE und Großbritannien beispielsweise 72% bzw. 62% der Befragten in den letzten 6 Monaten Schmerzmittel eingekauft, während dies in Deutschland nur weniger als ein Drittel der Befragten angibt. Allerdings haben 34% der Deutschen in diesem Zeitraum zu Husten- und Grippemittel gegriffen.
Kauft der Deutsche dann „billigere Eigenmarken“ (d.h. Generika) oder doch die „bewährten“ Marken? Hier zeigt sich eine interessante Dichotomie: Zum einen machen fast die Hälfte der Befragten (44%) keinen expliziten Qualitätsunterschied zwischen Eigen- und Herstellermarken im OTC-Bereich, zum anderen würden sie aber, wenn es um ihre Familie geht, doch mehrheitlich (51%) auf anerkannte Markenprodukte zurückgreifen. Qualitätsunterschiede äußern sich allem Anschein nach implizit und unterschwellig. In den USA, UK und Spanien herrscht ein weit größeres Misstrauen gegenüber den Eigenmarken: jeweils 65% bzw. 71% haben kein Vertrauen in Eigenmarken.
Die Vertriebsstruktur der OTC-Produkte ist weltweit sehr unterschiedlich. Nur in wenigen Ländern gibt es, wie in Deutschland, ausschließlich die inhabergeführte Apotheke als Einkaufsmöglichkeit für OTC-Arzneimittel (neben den Internetapotheken). Dementsprechend unterschiedlich ist das Vertrauen, das dem Ver- kaufspersonal entgegengebracht wird. Der Apotheker genießt in Deutschland einen sehr hohen Vertrauensbonus: mehr als zwei Drittel aller befragten Deutschen vertrauen seinem Rat. Kein anderes der untersuchten europäischen Länder kann ähnlich hohe Werte aufweisen. Der Schluss liegt nahe, dass Generika im deutschen Markt durch den ausschließlichen Vertrieb durch Apotheken Aufwertung und dadurch Akzeptanz erfahren – der Einkaufsort spielt eine nicht unerhebliche Rolle auf Produktbewertungen.
Das hohe Vertrauen in die deutschen Apotheken zeigt sich dann auch, wenn es darum geht, OTC-Arzneimittel im Ausland zu kaufen. Über die Hälfte aller befragten Deutschen lehnen dies ab. Sie würden sich auch in der überwiegenden Mehrheit keine ausländischen OTC-Produkte mitbringen lassen. Das Vertrauen in den Apotheker / die Apothekerin bindet! Andere Länder zeigen sich hier erheblich aufgeschlossener. So haben über drei Viertel der Franzosen keinerlei Bedenken, gewisse OTC-Produkte außerhalb Frankreichs zu erwerben und würden sie sich auch gerne mitbringen lassen, ganz ähnlich wie die Belgier, von denen 72% im Ausland OTC-Medikamente einkaufen würden. In beiden Fällen handelt es sich um Länder mit wenig Bindung an Apotheken.
Große internationale Unterschiede gibt es auch beim Thema Schlafmittel. Insgesamt gesehen, lehnen mehr als ein Drittel aller Befragten es ab, Schlafmittel einzunehmen, wenn auch nur, um auf Langstreckenflügen besser schlafen zu können. In Deutschland ist dieser Prozentsatz um ein Vielfaches höher. Hier sind knapp drei Viertel aller Befragten gegen die Einnahme von Schlafmitteln als Reisemittel, um im Flugzeug zu schlafen, während unsere belgischen Nachbarn in einem ganz ähnlichen Prozentsatz (80%) dafür sind. Auch die Franzosen befürworten Schlafmittel, um ihre Reisetätigkeit angenehmer zu gestalten (70%). Am Schlafmittel scheinen sich die Geister zu scheiden – die Einstellung hierzu stellt sich international gesehen als besonders "trennscharf" dar.
Insgesamt deckt die Synovate Studie international große Unterschiede im Verhältnis zu und dem Umgang mit OTC-Produkten auf. Selbst innerhalb Europas zeigt sich kein einheitliches Verhalten, was sicherlich zum Großteil an der bestehenden Vertriebsstruktur hängt.
Für weitere Einzelheiten zur Studie wenden Sie sich bitte an Thomas Schäfer, Leiter Synovate Healthcare Consumer Research.